Archiv der Kategorie: Datenschutz

Böser Algorithmus, guter Algorithmus. Wie leben damit?

Diese Frage stellen wir uns in der Arbeitsgruppe Netzpolitik der Grünen Schweiz sehr oft. Entscheidungen werden uns zunehmend von automatisierten Entscheidungsverfahren (Algorithmen) abgenommen. Ganz gleich, ob es um die nächste Mahlzeit geht oder um eine Gefahreneinschätzung unserer Person vor Gericht: Die Entscheide sind an Kategorisierungen und Berechnungen von Maschinen gebunden.

Die Fragen können wir in zwei Dimensionen aufteilen:

  • Die private Seite: Wie können wir lernen und verstehen, wie Algorithmen funktionieren – und ihre Ergebnisse kritisch entgegennehmen? Welches Wissen, welche Informationen und welche Fähigkeiten braucht es dazu?
  • Die gesellschaftliche Seite: In welchen Situationen sollen Algorithmen kritisch begutachtet werden? Welche Bereiche sind zu sensibel, um sie von Maschinen gestalten zu lassen? Wann braucht es Transparenz und Regulation? Mit welchen Mitteln sollen Algorithmen reguliert werden – Gesetze, Zertifizierung, zivilgesellschaftlicher Protest?

Einfache Antworten gibt es nicht. Und gerade deshalb interessierte uns, diese Frage mit vielen Interessierten aus dem Bereich Netzpolitik zu erörtern. Das geeignete Mittel dazu: Im Rahmen des Winterkongress 2019 der Digitalen Gesellschaft organisierten Rahel Estermann und Markus Schmidt im Namen der AG Netzpolitik der Grünen einen Workshop zum Thema.

Die Fragen interessieren und bewegen: Über 70 Personen diskutierten mit uns. Wir unterteilten in Arbeitsgruppen, die je einen Aspekt zum Thema Algorithmen anhand eines Textes diskutierten.

  1. Mit welchem Daten-Input sollen Algorithmen trainiert werden?
    https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2018/august/wider-die-digitale-manipulation (Abschnitt 7)
  1. Wieviel Transparenz und Kontrolle benötigen selbstlernende Algorithmen?
    https://www.wired.de/article/ubernehmt-endlich-verantwortung-fur-eure-algorithmen
  1. Wo darf der Staat Algorithmen einsetzen und wie muss er sie regulieren?
    https://www.republik.ch/2018/09/19/die-tyrannei-des-wahrscheinlichen-in-der-justiz
  1. Wie sich gegen Algorithmen wehren?
    https://www.medienpolitik.net/2017/08/netzpolitikwir-sind-nicht-hilflos/
  1. Können Algorithmen diskriminieren?
    https://verfassungsblog.de/koennen-algorithmen-diskriminieren/
  1. Wie in der Schule auf Algorithmen vorbereiten?
    https://www.nzz.ch/feuilleton/soll-der-mensch-wie-ein-computer-denken-ld.1292090
  1. Algorithmen anstelle von Vertrauen? China und der Social Credit
    https://www.zeit.de/2019/03/china-regime-ueberwachungsstaat-buerger-kontrolle-polizei
  1. Wirtschaft: Wenn der Algorithmus Preisabsprachen macht
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/wenn-algorithmen-kartelle-bilden-ld.1415028

Anschauungsbeispiel: Erfolgreich gegen den Algorithmus gewehrt!

Angeregte Diskussionen in den Arbeitsgruppen folgten. Zum Schluss standen die Gruppen vor der Herausforderung, ein Fazit in Tweet-Länge zu fassen. Und: Die oder der Präsentator*in des Fazits bestimmte ein (vorerst intransparenter) Algorithmus. Im Sinne von der Forderung nach transparenten Algorithmen liessen wir das Rätsel nicht ungelöst: Diejenige Person mit dem „vordersten“ Buchstaben (gemäss Alphabet) an dritter Stelle des Vornamens war auserwählt. In einem Fall von zwei identischen Vornamen diskriminierte der Algorithmus nach Lust und Laune – wie im Leben halt. Im Sinne von „Wehr dich gegen den intransparenten Algorithmus!“ setzte die auserwählte Person aus der Arbeitsgruppe 4 das Thema gleich um und wehrte sich gegen die Präsentation – erfolgreich. Mit menschlicher Kompetenz fand die Gruppe einen anderen Präsentator.

Herzlichen Dank allen, die diskutiert haben! Wir freuen uns, mit euch viele weitere Debatten in Politik und Gesellschaft zum Thema Algorithmen zu führen.

Hier die Tweet-Fazite, die wir sogleich auf Twitter und Mastodon teilten (rangiert nach dem Beliebtheitsalgorithmus von Twitter):

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Die Grüne Haltung zur Elektronischen Identität E-ID

Die Grünen hatten in ihrer Vernehmlassungsantwort 2017 Kritik geäussert am damaligen Konzept der eID. Die Mitglieder der AG Netzpolitik diskutierten mit Interesse den Lösungsvorschlag der Swiss Data Alliance. Davon inspiriert formuliert die Arbeitsgruppe im April 2018 Empfehlungen an die Bundeshausfraktion für die Beratung des E-ID-Gesetzes (BGEID).

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Photo by Bogdan Dada on Unsplash

Big Blockchain is Watching You

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Die gehypte Blockchain-Technologie wird als disruptive Errungenschaft gefeiert. Doch sie wird die in sie gesetzten Erwartungen genauso enttäuschen wie einst das Internet. Dafür wird sie viele Träume staatlicher Überwacher und privatwirtschaftlicher Datenkraken wahr werden lassen. Weiterlesen
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Für ein griffiges und modernes Datenschutzgesetz

Die Grünen begrüssen, dass der Bundesrat endlich die überfällige Revision des Datenschutzgesetzes (DSG) an die Hand nimmt. Dies ist nötig, um die für die Schweiz zwingende Übernahme der Europaratskonvention SEV 108 rechtzeitig zu ermöglichen und die Anerkennung eines angemessenen Schutzniveaus durch die EU zu erreichen. Die Grünen bringen allerdings mit dem Koppelungsverbot, dem zwingenden Datenschutzaudit und dem Verbandsklagerecht gewichtige zusätzliche Vorschläge für ein zukunftsweisendes Datenschutzgesetz ein. Und sie fordern, dass die Portabilität und das Recht auf Löschen (Recht auf Vergessen) wie in der EU auch hier eingeführt werden. Weiterlesen

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Access Now urges the European Commission to suspend Privacy Shield due to changes in US policies

Brussels, BE – Today, Access Now sent a letter to Commissioner Vera Jourová and EU Parliament LIBE Chair Claude Moraes asking for the suspension of the EU-US data transfer arrangement known as Privacy Shield. The letter comes after recent developments in the United States that cast new doubt on the US government’s commitment to safeguarding the privacy and data protection rights of Europeans.

[taq]Wegen Trump Regierung: Muss Privacy Shield suspendiert werden? Das fordert AccessNow.[/taq]

MEHR: Access Now urges the European Commission to suspend Privacy Shield due to changes in US policies – Access Now

 

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Grüne fordern Nachbesserungen beim EU-Datenschutzpaket

Die Europäische Kommission stellte am 10. Januar 2017 ein Paket zum Datenschutz vor. Ein Vorschlag betrifft die bisher in der so genannten ePrivacy-Richtlinie festgelegten Regeln für den Schutz personenbezogener Daten bei der elektronischen Kommunikation, also dem Telefonieren, Mailen und Texten per Telefon, Smartphone oder PC. Der Grüne Jan Philipp Albrecht, stellvertretender Vorsitzender des Innen- und Justizausschusses, begrüsst die Vorschläge, fordert aber Verbesserungen: Medienmitteilung von Jan Philipp Albrecht (MdEP GRÜNE)

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Datenschutzgesetz: Endlich kommt die Revision!

Seit Ende 2011 wurde – jeweils auf „den kommenden Herbst“ – die Vernehmlassung für eine Totalrevision des Datenschutzgesetzes vom Bundesrat angekündigt. Nun ist sie endlich da. Die Grünen werden sich auch in der AG Netzpolitik vertieft damit befassen und auch von den Erfahrungen von Jan-Philipp Albrecht, dem Datenschutzexperten der Grünen im EU-Parlament, profitieren.  Foto: gruene-bundestag via flickr, cc-by Weiterlesen

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EU-Datenschützer fordern Recht auf eigene Daten in maschinenlesbarer Form

Die EU-Datenschutzbeauftragten fordern, dass die europäische Datenschutz-Grundverordnung weit auszulegen sei. Das heisst, dass das Recht auf die Herausgabe persönlicher Daten jedem den Anspruch gibt, auf ihre selbst generierten Daten z.B. von Suchmaschinen, Fitnessarmbändern oder intelligenten Stromzählern in einer strukturierten und maschinenlesbaren Form zugreifen zu können.

[taq]Portabilität ist zentral für ein modernes Datenschutzrecht. Das braucht’s auch in der Schweiz![/taq]

Mein Kommentar: Sollte diese Forderung tatsächlich umgesetzt werden, hätte sie auch weitreichende Folgen für die Ökonomie von Big Data. Es könnte sich ein neues Ökosystem von Datenaus- und Zweitverwertung entwickeln, dessen Gewinne aber nicht bei den jetzigen Besitzern blieben, sondern zwischen den Eigentümern und neuen Dienstleistern geteilt würden.

Quelle: Heise.de Newsticker vom 19.12.2016

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